
Pressing-Übungen im Fußball wirken nur, wenn deine Spieler:innen echten Druck erleben und selbst Druck ausüben. Ein Lauftraining um Hütchen macht niemanden pressingstark, eine Spielform mit Gegner dagegen schon. Dieser Artikel zeigt, aus welchen Spielprinzipien Pressing besteht, welche acht Spielformen vom Duell bis zum Großfeld sich eignen und wie du die Intensität so coachst, dass daraus Fortschritt wird. Wie dein Team direkt nach einem eigenen Ballverlust nachsetzt, erklärt der Beitrag zum Gegenpressing im Fußball.
Was beim Pressing trainiert wird
Pressing heißt, den Gegner im Ballbesitz aktiv unter Druck zu setzen, um den Ball zu erobern. Es gehört zur Spielphase, in der der Gegner den Ball hat (mehr dazu im Beitrag Phasen des Spiels im Fußball). Diese Phase lässt sich nur trainieren, wenn eine Partei den Ball besitzt, also immer in einer Spielform. Innerhalb der Phase gibt es sieben Spielprinzipien:
- Druck ausüben: Wer in Reichweite ist, setzt den Ballführer oder den Empfänger so unter Druck, dass er das Spiel nicht mehr nach vorn fortsetzen kann.
- Reihen aufbauen: Verteidigende stellen sich zwischen Ball und eigenes Tor und bilden Linien, die der Gegner überspielen muss.
- Reihen verteidigen: Die Linie bleibt stehen, indem Passwege auf Spieler dahinter abgefangen oder zugestellt werden.
- Reihen verändern: Mit jeder Ballbewegung verschiebt sich die Linie, tritt heraus oder setzt ab.
- Reihen zurückerobern: Wer überspielt wurde, läuft dem Ball nach und baut die Linie neu auf oder macht Druck.
- Mannorientierung und Blocken: Je näher der Ball am eigenen Tor ist, desto enger steht der Verteidiger an seinem Gegenspieler.
- Konter vorbereiten: Wer weit vom Ball entfernt ist, positioniert sich schon jetzt für den möglichen Ballgewinn.
Wie solche Prinzipien formuliert werden, zeigt der Beitrag zu Spielprinzipien im Fußball. Für den einzelnen Spieler lohnt ein Gedanke: In jeder Spielsituation hängen alle anderen an nur zwei Personen, am Ballführer und an seinem direkten Gegenspieler. Schafft der Gegenspieler so viel Druck, dass der Ballführer nicht gezielt passen kann, spielt die Stellung der übrigen Verteidiger kaum noch eine Rolle. Deshalb gehört das Druckmachen auf den direkten Gegner zu den entscheidenden Fähigkeiten im Fußball.
Pressing-Spielformen in drei Größen
Je weniger Spieler:innen beteiligt sind, desto öfter wiederholt sich dieselbe Situation. Je mehr beteiligt sind, desto näher kommt die Form dem Spiel, desto komplexer wird sie aber auch. Die Beispiele sind deshalb nach Größe sortiert: Individualtraining bis 2 gegen 2, Kleinfeldspiele bis 4 gegen 4 und Großspielformen ab 5 gegen 5. Wie Feld und Spielerzahl zusammenspielen, steht in den Beiträgen Feldgröße im Fußballtraining und Kleinfeldspiele im Fußball.
Individualtraining (bis 2 gegen 2) eignet sich für alle Altersstufen. Es bringt viele Wiederholungen und lässt sich leicht anpassen, zum Beispiel mit einem größeren Feld oder einem Spieler mehr. Zwei Beispiele:
- 1 gegen 2 mit Dribbeltoren (Druck ausüben): Zwei Angreifer spielen sich den Ball zu, ein Verteidiger startet auf der Mittellinie und geht mit dem ersten Zuspiel mutig nach vorn. Sein Ziel ist, den zweiten Pass zu verhindern. Erobert er den Ball, kontert er durch eines von zwei Dribbeltoren. Den Schwierigkeitsgrad steuerst du über das erste Zuspiel: Ein Pass auf den nahen Angreifer ist schwerer zu verteidigen als einer auf den entfernten.
- 1 gegen 1 mit Anspielern (Reihen verteidigen): In einem kleinen Rechteck spielt ein Angreifer gegen einen Verteidiger und darf jederzeit die Anspieler an den Seiten nutzen. Ziel ist ein Pass aus dem Rechteck in eines von zwei Minitoren in etwa 15 Metern Entfernung. Der Verteidiger muss ständig zwischen Druck auf den Gegner und dem Schließen der Passwege wechseln. Mehr zum direkten Duell steht im Beitrag 1 gegen 1 im Fußball.
Kleinfeldspiele (bis 4 gegen 4) gehen fließend zwischen den Spielphasen hin und her, deshalb kommt zum Pressing oft der Umschaltmoment dazu. Drei Beispiele:
- Gegnerzahl wächst (5 gegen 1, 2, 3 …): Fünf Spieler:innen halten im Feld den Ball, zunächst startet nur ein Verteidiger. Alle fünf Sekunden kommt ein weiterer dazu. Die Form endet mit einer Balleroberung oder wenn die Ballbesitzer bei vollständiger Verteidigung zwei weitere Pässe spielen. Die ersten Verteidiger lernen, trotz klarer Unterzahl Druck zu machen und Frust auszuhalten.
- Punkte nach Höhe (4 gegen 2): Die Angreifer wollen den Ball auf einen Mitspieler am Feldende spielen, der über eine Dribbellinie geht. Die Verteidiger entscheiden selbst, wie hoch sie stehen. Ein Ballgewinn in der obersten Zone zählt drei Punkte, in der mittleren zwei, kurz vor der letzten Linie einen. Fünf erfolgreiche Zuspiele geben den Angreifern zwei Punkte. Die Wertung lädt zu höherem Pressing ein, ohne es zu verordnen. Wie solche Regeln wirken, steht im Beitrag zu Provokationsregeln.
- 4 gegen 4 mit flachen Pässen (Druck ausüben): Die Angreifer müssen per Pass oder Dribbling über die letzte Linie, erlaubt sind nur flache Bälle. Die Verteidiger starten auf Höhe der Mittellinie und kontern nach Ballgewinn auf Minitore. Ist die Form für die Angreifer zu schwer, erlaubst du hohe Pässe: Dann kann die Abwehr nicht einfach anlaufen, sondern muss auch Rücken und Tiefe sichern. Geht das Team kaum ins Pressing, zählen schon drei Pässe als Punkt für die Angreifer.
Großspielformen (ab 5 gegen 5) bilden meist drei Reihen. Allein die Wahl der Formation oder der Zahlenverhältnisse provoziert dann unterschiedliche Situationen. Die Komplexität ist hoch, deshalb sind sie erst ab etwa U16 ein sinnvoller Baustein. Darunter bleibst du bei Individual- und Kleinformen. Drei Beispiele:
- 6 gegen 6 mit Außenzonen (Konter vorbereiten): Am Rand liegen zwei etwa drei Meter breite Zonen, die nur das verteidigende Team betreten darf, bis zum nächsten Umschalten. Das provoziert, dass überspielte Spieler gezielt eine Position für den Konter einnehmen. Wie das Umschalten nach dem Ballgewinn aussieht, zeigt der Beitrag Umschaltspiel im Fußball.
- 6 gegen 6 mit festen Zahlen pro Drittel (Reihen verteidigen und verändern): Das Feld ist in Drittel geteilt, die Abseitslinie liegt jeweils auf der Drittellinie. Im Aufbaudrittel spielen zwei Angreifer gegen einen Verteidiger, im mittleren Drittel vier Angreifer gegen fünf Verteidiger. Die Verteidiger pressen vorn also in Unterzahl und stehen dahinter in Überzahl. Nach einem Ballgewinn kontern sie auf ein Großtor mit Torhüter. Änderst du die Zahlen, ändert sich das Verhalten.
- 6 gegen 6 plus 2 Neutrale, zehn Pässe (Reihen aufbauen): Die neutralen Spieler gehören immer zum Team im Ballbesitz, es entsteht ein 8 gegen 6. Das Ziel der Ballbesitzer sind zehn Pässe in Folge. Die Verteidiger müssen zuerst sauber Reihen aufbauen und den Ball nach außen lenken. Den Ball nur abzulenken, reicht nicht: Wer ihn erobert, tauscht die Aufgabe mit dem Gegner.

Pressing coachen: Intensität mit Absicht
Ob eine Form wirkt, entscheidet nicht nur ihr Aufbau, sondern dein Auftreten als Trainer:in. Sechs Punkte helfen dir dabei:
- Schwierigkeit zulassen: Pressing-Formen dürfen den Verteidigern schwerfallen. Stell dir eine Skala von 1 bis 10 vor: Gelingt die Aufgabe bei zehn Versuchen zehnmal, ist die Form zu leicht. Gelingt sie nur einmal, ist sie zu schwer. Ein gewisses Maß an Frust ist gewollt, solange deine Spieler:innen verstehen, warum sich das lohnt.
- Erst beobachten, dann eingreifen: Lass die Form zunächst laufen. So entsteht dein Überblick, und deine Spieler:innen testen eigene Lösungen. Greif erst ein, wenn das Testen länger zu keinem Erfolg führt. Mehr zu den Coaching-Zeitpunkten steht im Beitrag Coaching im Fußballtraining.
- Spielstand mitführen: Nenne den Stand während der Form, nicht erst am Ende. Das schärft den Fokus, und jede Form wird zum Wettkampf mit Sieger.
- Verteidigen in den Vordergrund stellen: Wenn du defensive Aktionen häufig lobst und einforderst, werden sie auch für deine Spieler:innen wichtiger. Harte, aber faire Zweikämpfe steigerst du mit dem Alter, bei Jüngeren spielen sie eine untergeordnete Rolle.
- Das Ziel benennen: Es geht darum, den Ball zu erobern und danach etwas mit ihm zu tun. Ihn nur wegzuspielen oder abzulenken, bringt keinen Ballbesitz.
- Kurz und hochwertig: Kurze Durchgänge mit hoher Qualität sind besser als lange Durchgänge, in denen die Intensität nachlässt.
Pressing-Training in Saideline planen
Du musst die Formen nicht einzeln zusammensuchen. In Saideline beschreibst du im Prompt, was dein Team trainieren soll, zum Beispiel Pressing auslösen für U17. Die Spielformen stammen von echten Profi-Trainer:innen mit langjähriger Erfahrung, die KI setzt sie zu einer Einheit zusammen. Die Match-Badges zeigen, wie gut eine Form zu deinen Angaben passt. Im Jugendbereich deckt Saideline die Altersstufen U8 bis U19 ab (mehr dazu), Einheiten für Erwachsene erstellst du ebenfalls per Prompt. Drei Sessions kannst du kostenlos testen, ohne Zahlungsdaten und mit allen Funktionen (so funktioniert der Test). Danach kostet Saideline 9 € im Monat oder 90 € im Jahr, inklusive MwSt. Intensive Einheiten solltest du bewusst über die Woche verteilen, wie das geht, zeigt der Beitrag Trainingskalender Fußball. Den Aufbau einer ganzen Einheit erklärt Fußballtraining planen.
Häufige Fragen zu Pressing-Übungen im Fußball
Was sind gute Pressing-Übungen im Fußball? Spielformen mit Gegner, in denen ein Spielprinzip im Vordergrund steht, zum Beispiel ein 1 gegen 2 mit Dribbeltoren für das Druckmachen oder ein 6 gegen 6 mit Außenzonen für das Vorbereiten des Konters. Reine Lauf- und Schattenübungen ohne Gegner bilden die Entscheidungen im Spiel nicht ab.
Ab welchem Alter eignen sich Pressing-Spielformen? Individualtraining und Kleinfeldspiele lassen sich in allen Altersstufen einsetzen. Großspielformen mit drei Reihen sind komplexer und lohnen sich erst ab etwa U16.
Was ist der Unterschied zwischen Pressing und Gegenpressing? Beim Pressing setzt dein Team den Gegner im Ballbesitz unter Druck, meist aus einer geordneten Stellung. Beim Gegenpressing geschieht das unmittelbar nach dem eigenen Ballverlust. Wie dein Team gegnerisches Pressing überspielt, erklärt der Beitrag Pressingresistent spielen.
Wie schwer sollte eine Pressing-Form sein? Orientiere dich an der Skala von 1 bis 10: Eine Form, die zehnmal von zehn gelingt, ist zu leicht, eine, die nur einmal gelingt, zu schwer. Dazwischen liegt der Bereich, in dem deine Spieler:innen sich anstrengen müssen und trotzdem Erfolge erleben.
Wie trainiere ich hohes Pressing? Mit denselben Prinzipien und Formen, die frühes Verteidigen belohnen. Dazu passen Punkte für Balleroberungen in hohen Zonen, aber auch Formen, in denen der Gegner in einer Zone vor dem Tor frei abschließen darf. Dann bleibt der Verteidigung nur, früh zu stören und Reihen sauber aufzubauen.
Fazit: Pressing entsteht in Entscheidungen
Gute Pressing-Übungen im Fußball zwingen deine Spieler:innen zu Entscheidungen: Gehe ich jetzt auf den Ball, schließe ich den Passweg oder laufe ich zurück? Starte mit einem Duell, prüfe die Schwierigkeit auf der Skala von 1 bis 10 und steigere erst, wenn die Form im Tempo klappt. Probiere beim nächsten Training eine der acht Formen aus und notiere, wie oft sie gelingt. Für den Anfang reicht dafür eine Einheit: Die ersten drei Sessions in Saideline kosten nichts.
